Briefmarathon 2018

Jedes Jahr fordern Hunderttausende Menschen weltweit anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember Regierungen auf, gewaltlose politische Gefangene freizulassen und Unrecht zu beenden. Außerdem schicken sie Solidaritätsnachrichten an Menschen, deren Rechte verletzt werden.

Beim Amnesty-Briefmarathon 2018 könnt ihr vom 29. November bis zum 23. Dezember Briefe und E-Mails für Menschen in Not in Gefahr schreiben. Die Würzburger Ortsgruppe und die Würzburger Hochschulgruppe sind am 7.12. in der Stadtbücherei und stellen dort einige Fälle vor, zu denen vorgefertigte Briefe direkt unterschrieben und verschickt werden können.

2017 fand der Briefmarathon vom 29. November bis 10. Dezember statt. Weltweit haben sich Menschen mit 5,5 Millionen Briefen, E-Mails, Online-Aktionen und Unterschriften für Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten eingesetzt – ein neuer Rekord. Allein in Deutschland schrieben alle Teilnehmenden mehr als 250.000 Appelle.

Der gemeinsame Einsatz ist häufig erfolgreich: Zu Unrecht inhaftierte Menschen werden freigelassen, diskriminierende Gesetzestexte geändert und politische Aktivistinnen und Aktivisten in ihrer Arbeit unterstützt und gestärkt.

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Vernissage zu „Menschen auf der Flucht“

Am 30.9. fand im Schröder-Haus in Würzburg die Vernissage zur Magnum Photos-Ausstellung zum Thema „Menschen auf der Flucht“ statt. Hochschulpfarrer Burkhard Hose sprach zu einem vollen Saal über Menschlichkeit und Menschenrechte und beleuchtete das Thema aus historischer, philosophischer, und nicht zuletzt tief menschlicher Perspektive. Für musikalische Untermalung sorgte Hussien Mahmoud mit seiner kurdischen Saz.

Die Ausstellung ist noch bis zum 25.10. von Montag bis Freitag 9:00 Uhr – 12:00 Uhr sowie 14:00 Uhr – 17:00 Uhr im Schröder-Haus zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Menschen auf der Flucht – Fotoausstellung

Das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus zeigt in Kooperation mit Amnesty International Würzburg vom 30.9. bis zum 25.10.2018 eine MAGNUM-PHOTOs-Ausstellung zum Thema Flucht.

30 Bilder erzählen Geschichten von Flucht und Vertreibung: Was heißt es, auf der Flucht zu sein? Was bedeutet es, gesellschaftlicher Umwälzung, Bedrohung und Tod zu begegnen und gezwungen zu sein, das eigene Zuhause zu verlassen, um einen sicheren Ort zu suchen?
Die internationale Fotoagentur Magnum Photos zeigt in Kooperation Amnesty International eindrucksvolle Momentaufnahmen zum Leben von Menschen auf der Flucht seit 1948 bis heute – aber auch, wie diese zum neuen Lebensalltag wird und Notlösungen zum Dauerzustand werden. Durch die unterschiedlichen Zeitpunkte und Orte aus allen Teilen der Welt zeigt die Ausstellung, dass Flucht gegenwärtiges Thema darstellt und sich die Gegebenheiten in den letzten sieben Jahrzenten global gesehen kaum geändert haben.

Begleitet wird die Ausstellung durch eine Reihe spannender Vorträge hochkarätiger Referentinnen und Referenten:
Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 30. September um 11.15 Uhr spricht der Friedenspreisträger der Stadt Würzburg, Hochschulpfarrer Burkard Hose. Für musikalische Begleitung sorgt Hussien Mahmoud (Saz). Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 11.10., 19 Uhr, spricht im Rahmen der Ausstellung Prof. Dr. Dr. hc Heiner Bielefeld vom Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Universität Erlangen zum Thema: „Wie Integration gelingen kann!“

Am Donnerstag, 25.10., 19 Uhr, beschließt Barbara Lochbihler die Ausstellung mit einem Vortrag zu den „Herausforderungen der europäischen Menschenrechts- und Flüchtlingpolitik“. Frau Lochbihler ist Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Menschenrechtsausschusses des EU-Parlaments.

Menschenrechtsverletzungen in Westpapua

Unsere Würzburger Gruppe von Amnesty Internationalbeschäftigt sich – unter anderem – mit einer Region, die in den deutschen Medien kaum Erwähnung findet: Westpapua.

Westpapua  – das ist die westliche Hälfte der Insel Neu-Guinea. Während der östliche Teil der Insel als Papua-Neuguinea 1975 die Unabhängigkeit erreichte, wurde der Westteil der Insel 1963 als West-Papua von Indonesien okkupiert.

Westpapua ist reich an Bodenschätzen (Gold, Nickel, Kupfer, Erdöl, …) und anderen natürlichen Ressourcen (Holz, Palmöl, …) – so wird das Land für Indonesien zu einer wirtschaftlich bedeutsamen Region. In der Folge werden häufig die Rechte der ursprünglichen Bewohner missachtet; es kommt zu Unterdrückung, Vertreibung und anderen Verletzungen der Menschenrechte.

Seit Beginn der indonesischen Okkupation wird von unterschiedlichen Rebellenorganisationen für ein unabhängiges Papua gekämpft – sie kämpfen zum Teil mit Blasrohren, Pfeil und Bogen gegen eine hochgerüstete indonesische Armee. Auf beiden Seiten kommt es immer wieder zu Grausamkeiten. So sind bisher über 150 000 Menschen umgekommen

Konkret setzt sich unsere AI-Gruppe für die Untersuchung eines Vorfalls in der Provinz Paniai ein, bei dem vier Menschen getötet und 17 weitere zum Teil schwer verletzt wurden:

Paniai-Shooting

Am Morgen des 8 Dezember 2014 nahmen einige Hundert Papuas an einem friedlichen Marsch teil. Sie protestierten in der Stadt Enarotali , Provinz Papua. Die Teilnehmer, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden, hatten sich versammelt um gegen Soldaten des Bataillons 753 zu demonstrieren, die Berichten zufolge in der vorangegangenen Nacht eine Gruppe Minderjähriger aus dem Dorf Ipakije verprügelt hatten. Einer der Minderjährigen musste im Krankenhaus behandelt werden.  Die Demonstranten trafen auf Polizei und Militär, welche die Menschen aufforderten, die Demonstration aufzulösen. Zeugen zufolge gaben die Sicherheitskräfte danach Warnschüsse ab und richteten ihre Waffen dann auf die Menge. Die Demonstranten begannen sofort von dem Feld zu fliehen. Nach dem Ende der Schießerei blieben vier Menschen tot zurück. Mindestens 17 andere Personen wurden durch Kugeln oder Bajonette der Sicherheitskräfte verletzt.

Wie in vielen vorangegangenen Fällen in Papua wurden auch hier Untersuchungen über den Vorfall verzögert; es gab keine Konsequenzen für die Verantwortlichen. Den Opfern und ihren Familien wird so der Zugang zu Gerechtigkeit und zu Wiedergutmachung versperrt.

Amnesty International setzt sich – wie  bei anderen Vorfällen – dafür ein, dass Tötungen, Folter und Missachtungen der Menschenrechte durch die Sicherheitskräfte durch unabhängige Kommissionen untersucht werden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und den Opfern sowie deren Familien eine angemessene Entschädigung gegeben wird.

Weitere Informationen anderer Quellen – ohne Gewähr:

West-Papua – Spiegel online – gefunden 29.2.16

http://www.spiegel.de/politik/ausland/neuguinea-rebellenarmee-kaempft-fuer-ein-unabhaengiges-papua-a-847713.html

Gesellschaft für bedrohte Völker – 20.09.2016

https://www.gfbv.de/de/news/westpapua-konflikt-droht-zu-eskalieren-8212/

Neue Züricher Zeitung

https://www.nzz.ch/indonesiens_papua_wollen_die_unabhaengigkeit-1.7223580

Pazifik-Netzwerk e.V.

http://www.pazifik-infostelle.org/themen/netzwerk/8630575.html

 

Hanan Badr el-Din

Zuletzt sah Hanan Badr el-Din ihren Mann im Fernsehen, als er nach Protesten im Juli 2013 verwundet in eine Klinik kam. Doch als sie ihn dort besuchen wollte, war er nicht auffindbar. Sie suchte Polizeiwachen, Gefängnisse, Krankenhäuser und Leichenhallen auf, um etwas über sein Schicksal zu erfahren – ohne Erfolg. Die ägyptischen Sicherheits­kräfte haben in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen verschwinden lassen. Die Opfer sind meist politische Aktivistinnen und Aktivisten, Protestierende und Studierende, bis hin zu minder­jährigen Schülern und Schülerinnen. Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründete Hanan Badr el-Din daher die Organisation „Familienkoalition der Opfer des „Verschwindenlassens“ und setzte sich öffentlich für eine Aufklärung ein.

Im Mai 2017 wurde sie bei der Suche nach ihrem Mann festgenommen und fälschlicherweise der „Mitgliedschaft in einer verbotenen Gruppierung“ angeklagt. Der wahre Grund dürfte ihre Menschenrechtsarbeit sein. Ihr drohen mindestens fünf Jahre Haft.

Bild: © Rebecca Hendin

Farid und Issa

Der Aktivist und Gründer der Gruppe „Youth against Settlement“ Issa Amro und der Rechtsanwalt Farid al-Atrash protestieren mit gewaltfreien Mitteln gegen die Einschränkungen der Rechte der palästinensischen Bevölkerung im von Israel besetzen Westjordanland. Im Februar 2016 beteiligten sich sich die beiden Männer in Hebron an einem friedlichen Protestmarsch gegen die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner. „Heutzutage gleicht Hebron einer Geisterstadt“, sagt Issa Amro. Nach dem Protest wurden Farid al-Atrash und Issa Amro von israelischen Sicherheitskräften festgenommen und vor ein Militärgericht gestellt. Sie berichten von Misshandlungen durch das israelische Militär und wiederholte Angriffe und Drohungen von israelischen Siedlern.

Die gegen sie erhobenen Vorwürfe reichen teilweise bis ins Jahr 2010 zurück und dienen offensichtlich dem Ziel, ihre Menschenrechtsarbeit zu unterbinden. Im September 2017 wurde Issa Amro zudem wegen eines Facebook-Posts von palästinensischen Sicherheitskräften festgenommen und für eine Woche inhaftiert.

Bild: © Rebecca Hendin

Mahadine

Er hat die Regierung kritisiert: Der Menschenrechtsaktivist Tadjadine Mahamat Babouri – auch bekannt als Mahadine – postete im September 2016 auf Facebook mehrere Videos. Darin kritisierte er die Korruption, den Umgang mit öffentlichen Geldern und die schlechte Wirtschaftslage im Tschad. Kurz darauf nahmen Männer, die vermutlich dem Geheimdienst angehören, Mahadine auf offener Straße fest. Mahadine berichtete, er sei wochenlang gefoltert und von einem Gefängnis zum nächsten gebracht worden. Seine Familie erhielt keine Informationen, wo er sich befand. Mahadine geht es gesundheitlich sehr schlecht. Er ist im Gefängnis an Tuberkulose erkrankt und muss dringend medizinisch behandelt werden.

Mahadine werden schwere Straftaten zur Last gelegt, für die er mit lebenslanger Haft bestraft werden soll: Er habe die verfassungsmäßige Ordnung untergraben und die territoriale Einheit des Landes sowie die nationale Sicherheit bedroht. Dabei hat Mahadine in seinen Videoblogs lediglich auf friedliche Weise die Situation in seinem Land kritisiert.

Er hat also sein Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt. Setz dich für ihn ein: Schreib für Freiheit!

Hier geht es zur Briefvorlage.

Bild: © Rebecca Hendin

Briefmarathon

Am 10. Dezember ist Tag der Menschenrechte.

Zu diesem Anlass stellen wir an einem Infostand unsere Arbeit vor und laden dazu ein, sich an der Verwirklichung und am Schutz der Meschenrechte ganz konkret zu beteiligen.

Wo?       In der Stadtbücherei im Falkenhaus

Wann?  Freitag, 8. Dezember; 10:00 – 18:00 Uhr

Alljährlich veranstaltet Amnesty International weltweit einen Briefmarathon. Überall auf der Welt werden dann Briefe, Emails und Unterschriftenlisten zu Gunsten von Menschen verfasst, unterschrieben und verschickt, die in ihren Menschenrechten massiv eingeschränkt und bedroht werden.

An dieser Aktion sind auch wir beteiligt, und Sie können bei unserem Infostand ein Teil davon werden. Wir setzen uns dieses Jahr ganz besonders für diese vier Menschen ein:

Clovis Razafimalala setzt sich für den Schutz des Regenwaldes in Madagaskar ein. Um sein Engagement zu stoppen, wurde der Umweltschützer unter erfundenen Vorwürfen angeklagt und verurteilt.

Den palästinensischen Menschenrechtsverteidigern Farid al-Atrash und Issa Amro drohen Haftstrafen. Dabei haben sie lediglich friedlich gegen die Verletzung von Menschenrechten in Hebron protestiert.

Hanan Badr el-Din setzt sich gegen das Verschwindenlassen ein. Ihr Ehemann zählt zu den vielen Personen, die in Ägypten „verschwunden“sind. Ihr Engagement führte dazu, dass sie inhaftiert wurde.

Mahadine ist Blogger im Tschad. Er postete auf Facebook regierungskritische Videos. Dafür droht ihm nun eine lebenslange Haftstrafe.

In den nächsten Tagen werden wir hier noch genauere Informationen zu den Hintergründen teilen.

 

Bild: © Rebecca Hendin